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Der Vollmond über unserer Kirche

Schon als Kind war ich oft am Beerfeldener Skilift zum Skifahren. Besonders faszinierte mich der weite Ausblick von dort oben über die Stadt Beerfelden mit ihrer schönen Kirche im Stadtzentrum.

Jahre später, als meine Leidenschaft für die Fotografie erwachte und ich immer mehr über die Natur und Umgebung lernte, kam mir eine besondere Idee: Ich wollte den untergehenden Mond neben der Kirchturmspitze fotografieren.

Gesagt, getan, setzte ich mich auch intensiver mit der Astronomie auseinander. Ich fragte mich, ob es überhaupt möglich sei, den untergehenden Mond und gleichzeitig die aufgehende Sonne im Rücken, die die Stadt in ein wärmendes Licht tauchen sollte, in einem einzigen Bild festzuhalten.

Ich sammelte Daten, beobachtete den Verlauf von Sonne und Mond über dem Beerfeldener Gebiet und nutzte einige Informationen aus dem Internet, um die genaue Position für das finale Bild zu berechnen. Schließlich bin ich dann auf ein passendes Datum gestoßen: Am 17. Februar 2023, um genau 08:35 Uhr in der Frühe, sollte es nach den Berechnungen soweit sein. Doch es gab zusätzliche Faktoren, die das Vorhaben an diesem Tag erschweren könnten, wie starker Nebel oder starke Bewölkung, die die Sonne und den Mond verdecken und die Sicht auf die Kirche beeinträchtigen könnten. Daher musste ich bis kurz vor dem geplanten Datum warten, um zu sehen, ob das Wetter laut Wetterbericht mitspielen würde.

Knapp ein Jahr später war es dann endlich soweit. Einen Tag vor dem geplanten Foto gab Petrus mir grünes Licht: Ein klarer, wolkenloser Himmel war vorhergesagt. Die Nacht war kurz, denn mein Wecker klingelte um 5 Uhr morgens. Aufgeregt trank ich meinen Kaffee, packte meine Fotoausrüstung und machte mich auf den Weg zum Hang des Skilifts. Bei -7 Grad, eisigem Wind und einem wolkenlosen Himmel kam ich im Dunkeln unter einem klaren, sternenklaren Himmel an der von mir berechneten Stelle an und baute meine Kamera mit Hilfe einer Stirnlampe auf. Nun hieß es, die richtigen Einstellungen an der Kamera vorzunehmen und auf den perfekten Moment zu warten.

Das knappe Zeitfenster für das ideale Foto rückte näher, denn ich hatte nur etwa zehn Minuten, bevor der Mond in eine tiefere Position zur Kirchturmspitze wandern würde. Doch alles lief zum Glück wie geplant, und um 08:35 Uhr war es dann endlich soweit: Mein Traumbild von der schönen Kulisse war im Kasten. Voller Freude konnte ich meine Vision der Kirche erfolgreich umsetzen und war überglücklich, dass sich all der Aufwand für dieses Bild gelohnt hatte.

Jedes Foto erzählt eine Geschichte, oft verbunden mit Abenteuern, die nur der Fotograf kennt. Für mich ist es besonders wertvoll, diese Geschichten zu teilen, damit auch andere ein Stück des Erlebnisses nachempfinden können. Durchgefroren, aber mit einem breiten Lächeln im Gesicht, fuhr ich schließlich nach Hause – bereit für eine heiße Tasse Kaffee und eine wärmende Couch. Noch heute erinnere ich mich sehr gerne an diesen besonderen Moment.

Holger Freudel


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