Seit über 5 Jahren war sie in der Kirchengemeinde Beerfelden und im Nachbarschaftsraum Süd tätig, nun zieht es sie und ihren Mann, Pfarrer Norbert Feick, ins Dekanat „Rheingau-Taunus“, wo er die Stelle des Dekans antritt. In einem Interview zieht Renate Feick Bilanz:
- Liebe Renate, du bist über 5 Jahre als Gemeindepädagogin in Beerfelden tätig gewesen. Was waren für dich die schönsten Momente in deiner Zeit als Gemeindepädagogin?
Zum einen liebe ich es sehr, wenn ich mit dem Auto aus Neckarsteinach den Berg erklimme und Beerfelden auf der Höhe erscheint: der Himmel wölbt sich in alle Richtungen und erstrahlt immer in einem anderen Licht und Wetter. Ich mag die weite Sicht. Irgendwann habe ich realisiert, dass mich diese Perspektive an den Wohnort meiner Kindheit erinnert: Weite Sicht, Wolken, Sonne, Sterne. Hier fühle ich mich wohl.
Ein anderes Glücksgefühl macht sich breit, wenn nach einer gelungenen Kinderfreizeit alle zwar total müde, aber erfüllt und beseelt nach Hause fahren. Die Kinder haben die Erfahrung einer wertschätzenden Gemeinschaft erlebt, viel Selbstvertrauen getankt und Gottes Segen gespürt.
- Was, denkst du, wirst du besonders vermissen?
Ich werde die Menschen vermissen, die ich hier kennengelernt habe: Haupt- wie Ehrenamtliche.
Die, die in größter Sorgfalt und Fachwissen aus einem dunklen, vollgestellten Raum ein lichtdurchflutetes Büro für mich gebaut haben. Die, die Kindergottesdienste, Kinderbibeltage und Krippenspiele anleiten und in unendlicher Liebe und Geduld sich den Kindern widmen. Die, mit denen ich jeden Dienstag den Kidsclub gestaltet habe und die vielen Kinder, die ich im Laufe der Jahre dadurch kennenlernen konnte. Die Babys der Krabbelgruppe und deren Mütter, die das Gemeindehaus freitags mit so viel Leben und Lachen füllen. Die Sekretärinnen, die Küster*innen und Hausmeister, die Pfarrer, die Mitglieder des Kirchenvorstands, die Musiker*innen, die KuMas und die Erzieher*innen der KiTa, mit denen ich gerne zusammengearbeitet habe.
- Du hast mit deiner Familie über 14 Jahre in Neckarsteinach gelebt und gearbeitet. Wie ist das für dich, Neckarsteinach zu verlassen und aufzubrechen?
Neckarsteinach ist für mich sowohl als Stadt, als auch als Kirchengemeinde, Heimat geworden. Als Familie haben wir uns sehr wohlgefühlt und durften von der Einschulung der jüngsten Tochter über die drei Konfirmationen und die Schulabschlüsse unserer Kinder eine sehr prägende Zeit für uns Fünf erleben. Unsere Kinder sind bereits ausgezogen, sie gehen ihren Weg. Ich bin dankbar, dass sie in aller Ruhe ihre gesamte Schulzeit in Neckarsteinach erleben konnten. Neckarsteinach war nicht nur Familie und Wohnen. Hier habe ich vor 14 Jahren auch meine ersten Schritte als Gemeindepädagogin machen dürfen. Es war ein Privileg zu sehen, wie Kinder und Jugendliche zu wichtigen Säulen der kirchengemeindlichen Arbeit heranwuchsen, wie seit der Gründung der Jungschar ganze 10 Jahre wurden, dass wir insgesamt 10 Familienfreizeiten veranstaltet haben und viele Menschen sind uns sehr ans Herz gewachsen. Ich spüre, dass mir das Verlassen und Abschiednehmen von Neckarsteinach sehr schwerfällt und dennoch freue ich mich auf das, was auf uns zukommt.
- Gibt es auch etwas, was du gerne zurücklässt? Wovon du dich gut trennen kannst?
Ja, es gibt so manches an Gegenständen, von denen ich mich gerne trenne. Wir sortieren gerade aus und verkleinern den Haushalt, verschenken Möbel und wer mich kennt, weiß, dass ich viel Material habe. Das Reduzieren muss sein, tut gut und befreit.
- Worauf freust du dich in deiner neuen Heimat?
Ich freue mich, eine neue Umgebung zu erkunden, den neuen Dialekt zu hören, neue kulinarische Erlebnisse zu testen und die Menschen dort kennenzulernen, denn der Rheingau-Taunus ist für uns bisher eine komplett unbekannte Gegend! Die Zukunft liegt vor uns wie ein weißes Blatt, das es zu beschreiben gilt. Das wird spannend!
- Was wünschst du deiner Nachfolgerin oder deinem Nachfolger?
Mit einer neuen Person ergeben sich neue Chancen und Möglichkeiten. Ich wünsche meiner Nachfolgerin, dass sie liebevoll und wertschätzend aufgenommen wird, so wie ich. Sie sollte nicht an mir gemessen werden, sie muss nicht das machen, was ich gemacht habe. Unvoreingenommen und vertrauensvoll sollte ihr begegnet werden, damit sie selbstbewusst die ersten Schritte gehen, gute Erfahrungen machen und ihre Ideen einbringen kann. Ich wünsche ihr ganz viel Freude in der Oberzent und Gottes Segen für ihr Wirken.
- Gibt es etwas, das du der Kirchengemeinde Beerfelden und dem Nachbarschaftsraum Süd für die Zukunft mitgeben möchtest?
Für den Nachbarschaftsraum Süd bin ich sehr optimistisch. Ich bin ja schon länger Gemeinde-übergreifend tätig und sehe so viel Potential und Kreativität. Ich wünsche Euch: Bleibt zuversichtlich und vor allem bleibt in Kontakt zueinander. Miteinander reden und miteinander feiern und miteinander sich unter Gottes Segen stellen, das schafft eine Gemeinschaft, von der alle profitieren. Davon bin ich überzeugt.
„Denn ich, der HERR, dein Gott, bin bei dir, wohin du auch gehst“, dieser Vers aus Josua 1,9 klebt an meinem Laptop. Das ist eine Ermutigung für uns alle, ob wir nun gehen oder bleiben.
Herzlichst, Ihre/ Eure Gemeindepädagogin Renate Feick
Das Interview führte Pfarrer Roland Bahre