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Die Bürgermeisterkandidaten stellen sich Ihnen vor - neue Version

Am 29. April wird in unserer neu gegründeten Stadt Oberzent der erste Bürgermeister gewählt. Insgesamt stehen sieben Kandidaten zur Wahl. Wir haben sie nach ihrem Verhältnis zu Kirche und Glauben gefragt und möchten Ihnen Ihre Antworten gerne vorstellen.

Wir haben die Antworten nach Alter der Kandidaten sortiert:

Die FDP hat Andreas Krauch (59) nominiert. Er kommt vom Falkenhof in Falken-Gesäß und ist evangelisch.

Für die Partei Bündnis 90/Die Grünen tritt Thomas Väth (53) an. Er ist in Rödermark geboren und aufgewachsen, jetzt wohnt er in Gebhardshütte. Thomas Väth ist konfessionslos.

Ohne Parteizugehörigkeit tritt Erik Kadesch (53) zur Wahl an. Ursprünglich aus Haiger, wohnt und lebt er nun in Airlenbach. Erik Kadesch ist evangelisch.

Thomas Ihrig (53) ist der Kandidat der SPD. Er wohnt in Kailbach, vorher Schöllenbach. Er ist evangelisch.

Die ÜWO (Überparteiliche Wählergemeinschaft Oberzent) unterstützt Claus Weyrauch (50). Claus Weyrauch wohnt in Rothenberg und ist evangelisch.

Ohne Parteizugehörigkeit hat sich Christian Kehrer (42) aufgestellt. Geboren in Erbach, lebt er nun in Finkenbach, wo er auch aufgewachsen ist. Er ist evangelisch.

Den jüngsten Kandidaten hat die CDU nominiert: Oliver von Falkenburg (32) kommt ursprünglich aus Niederbayern und lebt nun in Unter-Sensbach. Er ist konfessionslos.

 

 1. Welche Bedeutung hat Kirche und Ihr persönlicher Glaube für Sie? Kamen Sie schon einmal in Ihrem Leben mit Kirche in Kontakt?

Andreas Krauch (FDP): „Ich glaube an die Fähigkeit der Menschen sich zu achten und zu lieben.“

Thomas Väth (GRÜNE): „Bei vielen Reisen kam ich mit Buddhisten in Kontakt. Buddhismus kommt meinem eigenen Glauben am nächsten, ich würde mich jedoch nicht als Buddhist bezeichnen. In Kontakt mit Kirche kam ich auf einer Reise, auf der ich Harry Haas in Bandarawela in Sri Lanka kennenlernte. Der protestantische Pfarrer hatte 1994 das "Woodlands Network" gegründet, ein nachhaltiges Netzwerk für Frauen im Tourismus. Das Projekt wurde 1995 mit dem "To Do!"-Preis für sozialverantwortlichen Tourismus ausgezeichnet. Ich konnte Herrn Haas behilflich sein bei der Begutachtung von möglichen Bauplätzen für sein Projekt im Sri Lankischen Dschungel. Sein Umgang mit Essen, Gewürzen und Kochen prägt meine Kochgewohnheiten noch heute.“

Erik Kadesch (parteillos):  „Der Glaube an Gott bestimmt immer wieder mein Leben. Zum einen wurde ich konfirmiert, sowie meine beiden Kinder. Es gab bei mir viele Situationen im Leben, in denen mich Gott beschützt hat. Unter anderem bei einem „Tanklasterunglück“ 1987 in Herborn habe ich mit der Hilfe Gottes überlebt. Diese Erfahrung hat mein Leben bestimmt. Weiterhin habe ich auch selbst eine Abschiedspredigt für meinen Vater gehalten, es war sein Wunsch. Meine Lebenspartnerin ist katholisch und hat selbst in der Französischen Schule über mehrere Jahre Religionsunterricht gehalten. Ihre beiden Söhne haben die Kommunion empfangen.“

Thomas Ihrig (SPD): „Kirchliche Bindung und regelmäßiger Gottesdienstbesuch sind feste Bestandteile meines Lebens. Mein Glaube und das Vertrauen auf einen gnädigen und behütenden Gott sind wichtige Grundpfeiler meines Lebens. Ich habe in der Vergangenheit schon vielfältig kirchlich mitgearbeitet: Als Betreuer bei Konfirmanden- und Jugendfreizeiten, als Mitglied der Dekanatsjugendvertretung und des Dekanatsynodalvorstands; auch regelmäßige Mitwirkung bei Osternachtsfeiern und Volkstrauertags-Gottesdiensten in Schöllenbach. Seit 1991 bin ich bevollmächtigter Lektor, habe aber wenig Zeit, diesen Dienst aktiv auszuüben. Seit 1985 habe ich schon sehr viele Evangelische Kirchentage besucht, zuletzt 2017 in Berlin. Ich bin Mitglied im Förderverein Kirchenmusik in Beerfelden. Da meine Frau und unsere beiden Söhne katholisch sind, bestehen auch zu dieser Kirchengemeinde Beziehungen.“

Claus Weyrauch (ÜWO): „Gott, mein Glaube, Kirche und christliche Werte sind feste Größen meines Lebens. In allen meinen täglichen Begegnungen und Gesprächen komme ich mit Gott in Berührung. Nebst dem heiligen Sakrament der Taufe und der Konfirmation ging ich im Jahr 1994 den Bund der Ehe ein. Meine Frau ist aktives Mitglied der evangelisch-lutherischen Kirche in Rothenberg. Mit unserer nach ökumenischen Prinzipien durchgeführten Trauung konnten wir einen regen und interessanten Austausch der damaligen Pfarrer (Pfr. Krüger und Dekan Köpp) anstoßen und damit dazu beitragen, dass eventuell noch vorhandene Ressentiments weiter abgebaut wurden. Am 01.10.2017 gab es erstmals Vorstandswahlen in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Rothenberg. Zuvor wurden die Kirchenvorstände per Proklamation bestimmt. Für diese Wahl durfte ich als unabhängiges Nichtmitglied die Wahlleitung übernehmen.“

Christian Kehrer (parteilos): „Kirche und Religion sind wichtige Bestandteile unseres Lebens. Ich wurde in Finkenbach getauft und in Beerfelden konfirmiert. Den Glauben leben und das Leben gestalten.  Für mich haben die kirchlichen Einrichtungen in den Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe, der Musikvielfalt, der Hospizarbeit und der Notfallseelsorge eine ganz entscheidende Bedeutung. Im Rahmen meiner 10-jährigen Tätigkeit als Gemeindebrandinspektor für Rothenberg war insbesondere die Notfallseelsorge und Krisenintervention eine wichtige Stütze für uns. Der Glauben gibt Kraft und Zuversicht.“

Oliver v. Falkenburg (CDU): „Ich selbst bin konfessionslos, ich halte aber alle christlichen Kirchen der Oberzent für wichtige Institutionen unserer Stadt, gerade in schweren Momenten des Lebens können Glaube und Kirche sowohl Trost als auch Zuversicht spenden. Ich selbst habe dies bei den Beerdigungen meiner nächsten Angehörigen erfahren dürfen. Auch wenn ich keiner Konfession angehöre, schätze ich deshalb die Arbeit der Kirchen in der Gesellschaft in besonderem Maße. Vor allem im Bereich der Trauerarbeit und der Seniorenbetreuung bieten die Kirchen oft unverzichtbare Möglichkeiten der Teilhabe, die sonst nicht durch die staatlichen Einrichtungen abgedeckt werden können.“

2. Wie stellen Sie sich die Zusammenarbeit und das Miteinander der Stadt mit den evangelischen Kirchengemeinden vor, wenn Sie Bürgermeister sind? Welche Berührungspunkte können Sie sich vorstellen?

Andreas Krauch (FDP): „Eine jede Kirchengemeinde gibt vielen  Menschen Rückhalt, Geborgenheit und Hoffnung. Als Bürgermeister werde ich diese wichtige Arbeit unterstützen. Gerade Hoffnung trägt uns durch unser ganzes Leben, und diese Hoffnung soll in den Gemeinden, ob Stadtverwaltung oder Kirchengemeinde,  immer ein offenes Ohr finden.“

Thomas Väth (GRÜNE): Bei einer Stadt mit 19 Ortsteilen und 5 Weilern ist das ständige Aufeinanderzugehen unabdingbar. Als Bürgermeister ist es meine Aufgabe, die Geschlossenheit und den Zusammenhalt der ganzen Stadt ständig zu fördern. Kein Ortsteil darf sich benachteiligt oder vergessen fühlen. Kirchen wie auch Vereine sind hier wichtige Ansprechpartner,  Helfer und vielleicht auch mal Kritiker.“

Erik Kadesch (parteilos):  „Beruflich arbeite ich eng mit der Kirche in der Seelsorge zusammen. Dies ist aus meiner Sicht eine wichtige Rolle der Kirche. Gerade aber auch die jungen Menschen sollten von der Kirche erreicht werden. Hier sehe ich den Kirchenchor als vorbildlich an. Auch die Ausflüge und Projekte, die von der Kirche unterstützt werden, halte ich für einen wichtigen Bestandteil in der Jugendarbeit.“

Thomas Ihrig (SPD): „Die Kirchengemeinden spielen eine wichtige Rolle in unseren Orten. Die Kirchen sind als Gebäude imposanter Blickfang und bestimmen oft die Ortsmitte optisch. Daneben sind sie aber mit ihren Angeboten für alle Altersgruppen wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in unserer Stadt. Ich denke dabei besonders an die umfangreichen beeindruckenden kirchenmusikalischen Aktivitäten, die ich immer auch sehr gerne mit meiner Frau besuche. Wichtige Aufgaben nehmen die Kirchen auch in der Kinder- und Jugendarbeit ein. Hier gilt es, auf den bereits bestehenden Berührungspunkten und gemeinsamen Aktivitäten aufzubauen und die Zusammenarbeit noch weiter auszubauen. Mit den Angeboten in der evangelischen Kindertagesstätte in Beerfelden trägt die Kirche auf diesem gesellschaftlich wichtigen Feld zur Aufgabenerfüllung bei. Hier wird auch künftig ein sehr enger Abstimmungsbedarf erforderlich sein. Als Bürgermeister der Stadt Oberzent möchte ich die in Hesseneck in den letzten 24 Jahren praktizierte offen und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Kirchengemeinden im Stadtgebiet fortführen.“

Claus Weyrauch (ÜWO): „Ich bin aktives Mitglied im Rothenberger Flüchtlingshelferkreis. Deshalb fällt mir hier spontan die Zusammenarbeit von Stadt und Kirche bei der Betreuung von Flüchtlingen und aber auch von anderen Hilfsbedürftigen ein. Der Großbrand in Beerfelden vor gut einem Jahr hat meiner Meinung nach gezeigt, dass hier die Zusammenarbeit bereits sehr gut läuft. Auch ist die Jugendarbeit wichtig. In Zusammenarbeit mit unserem Jugendpfleger René Tunn leistet Pfarrer Roland Bahre bereits sehr gute Arbeit, z.B. mit der 95 Thesen-Aktion zum Reformationstag. Dennoch ist es mir ein Anliegen, den Dialog zwischen Kirche und Stadt weiter voranzubringen.“

Christian Kehrer (parteilos): „Unsere Kirchengemeinden leisten eine tolle und hervorragende Arbeit. Gemeinsame Ideen und Konzepte im Bereich der Kindertagesstätten und der Jugendarbeit laufen erfolgreich. Den Menschen, die sich unter dem Dach unserer Kirchen vielfältig engagieren, gilt es „Danke“ zu sagen. Diese Bereitschaft gilt es weiterhin zu fördern und zu unterstützen. Dafür und für andere Ideen würde ich mich gerne einsetzen und jederzeit für ein Gespräch zur Verfügung stehen.“

Oliver v. Falkenburg (CDU): „Aufgrund meiner beruflichen Erfahrungen im Bereich der Seniorenpflege interessiere ich mich sehr für die Arbeit der evangelischen Kirchengemeinde mit Demenzkranken und die örtliche Hospizarbeit. Als ehemaliger Fußballjugendtrainer liegt mir auch die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in unserer neuen Stadt besonders am Herzen, deshalb kann ich mir eine enge Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindertageseinrichtungen sehr gut vorstellen. Die Zusammenarbeit und das Miteinander der Stadt – mit den evangelischen Kirchengemeinden – sollten dabei von gegenseitigem Vertrauen und der stetigen Möglichkeit auf offene Ohren zu stoßen geprägt sein.“

  

3. Wenn Sie mögen: Haben Sie ein Bibelwort, das für Sie eine besondere Bedeutung hat und das Sie mit uns teilen möchten?

Andreas Krauch (FDP):  „Es ist kein Bibelwort, aber:  So stark wie Du glaubst dass Du bist, bist Du nicht. Die Eiche trotzt dem Sturm und fällt. Die Birke biegt sich und hält.“

Thomas Väth (GRÜNE): „Du aber trittst für die Leute ein, die sich selbst nicht verteidigen können! Schütze das Recht der Hilflosen! Sprich für sie, und regiere gerecht! Hilf den Armen und Unterdrückten!“ - da möchte ich auch Tiere und Natur mit einreihen! (Sprüche 31, 8-9)

Erik Kadesch (parteilos): „Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben“. (Psalm 46,2)

Thomas Ihrig (SPD): „Meine Zeit steht in Deinen Händen“. (Psalm 31, 16)

Claus Weyrauch (ÜWO): „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr.“ (Johannes-Offenbarung 21, 1). Diese kraftvollen Worte der Offenbarung bedeuten für mich zum einen Hoffnung für eine gute Zukunft und zum anderen Mut, notwendige Veränderungen aktiv anzugehen. Gleichzeitig wird die Vergänglichkeit von Leben und Zeit verdeutlicht.  Und irgendwie sehe ich hier die Parallelen zum politischen Veränderungsprozess in unserer Heimat. Mein Wunsch ist, dass diese Worte uns Oberzentbürgern helfen mögen, gemeinsam den Herausforderungen, die vor uns liegen, mutig zu begegnen und sie positiv zu gestalten.“

Christian Kehrer (parteilos): „Überlass dem Herrn die Führung deines Lebens und vertraue auf ihn, er wird es richtig machen.“

Oliver v. Falkenburg (CDU): keine Angabe.

Die Interviews führte Pfarrer Roland Bahre

 


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